Umsatzsteuer, Zoll & Dienstleistungen nach Brexit

Seit 1. Februar 2020 ist die Mitgliedschaft von UK in der EU nun Geschichte. Aber bis 31. Dezember 2020 ändert sich trotzdem nichts, denn sowohl bei Umsatzsteuer als auch beim Zoll gilt eine Übergangsphase.

Das bedeutet, dass Sie Rechnungen für Geschäfte mit England, Schottland, Wales und Nordirland bis zum besagten Zeitpunkt weiterhin wie bisher gewohnt ausstellen können. Noch ist die Lieferung von Waren in das UK (bei Vorliegen aller Voraussetzungen) eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung mit entsprechenden Nachweispflichten. Auch das Verbringen von Waren österreichischer Unternehmen in das UK unter Beachtung der Voraussetzungen ein innergemeinschaftliches Verbringen. Natürlich ist auch weiterhin (also bis zum oben genannten Stichtag) ein Erwerb von Lieferungen aus dem UK in Österreich ein innergemeinschaftlicher Erwerb.

Beim innergemeinschaftlichen Versandhandel unterliegen B2C-Warenlieferung von Österreich nach UK kann (bei Nichtüberschreiten der britischen Lieferschwelle!) weiterhin in Österreich versteuert werden. Sämtliche innergemeinschaftliche Lieferungen, Verbringen und der Generalnorm unterliegende Dienstleistungen (deren Leistungsort in UK liegt) und die dem Reverse Charge System unterliegen, sind auch weiterhin in der Zusammenfassenden Meldung zu erfassen.

UID-Nummern & Regelungen

Sämtliche Britische UID-Nummern sind weiterhin gültig und natürlich auch weiterhin auf ihre Gültigkeit zu überprüfen. Zudem sind sämtliche seit 1. Januar 2020 EU-weit geltenden Neuregelungen hinsichtlich innergemeinschaftlichen Lieferungen, Reihengeschäften und Konsignationslagern auch mit dem UK anzuwenden.

Dienstleistungen

Bei den Dienstleistungen gelten weiterhin die üblichen Leistungsortbestimmungen. Für Telcom-, Rundfunk-, und TV-Dienstleistungen kann man weiterhin den Mini-One-Stop-Shop (MOSS) nutzen.

Umsatzsteuer & Vorsteuern

Die Geltendmachung von im UK anfallende Vorsteuern sind (wenn nicht das Veranlagungsverfahren anzuwenden ist!) ebenfalls  weiterhin über das Erstattungsverfahren bis zum 30. September des Folgejahres vorzunehmen. Jedoch sieht ein aktuelles Abkommen im Rahmen des Austritts vor, dass etwaige Vorsteuer-Vergütungsanträge für das Jahr 2020 von EU-Unternehmern im Vereinigten Königreich und vice versa bereits bis 31. März 2021 einzureichen sind.

Alle umsatzsteuerliche Registrierungen, die von Unternehmern möglicherweise vorsorglich im Vereinigten Königreich für die Zeit nach dem Brexit beantragt wurden, sind also in der Übergangsphase de facto nutzlos und treten erst ab 1. Januar 2021 in Kraft.

Zollrecht

Auch beim Zoll ändert sich bis 31. Dezember 2020 nichts.

Achtung! Sollten Sie jedoch vorsorglich bereits EORI Nummern in UK eingereicht haben, dann verwenden Sie bitte diese neuen Nummern bis zur Einführung eines Zolls zwischen der EU und dem UK NICHT! Denn die EU sieht nur eine EORI Nummer vor und es könnten bei Verwendung der neuen Nummern negative Überraschungen mittels Rechtsunsicherheiten auftreten.

Und was passiert dann ab dem 1. Januar 2021?

Nun, das ist selbst für Propheten einfach nicht vorherzusagen. Denn kein Mensch weiß derzeit, wie, wann und ob überhaupt Verträge zwichen der EU und dem UK zustande kommen und auch eine (oder mehrere) Verlängerung(en) der derzeitigen Übergangsfrist ist (sind) durchaus möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.