Konzerne legen sich mit der Finanz ins steuerliche Bett!

Konzerne legen sich mit der Finanz ins steuerliche Bett!

Ab 2020 bietet die aus einem freiwilligen Pilotprojekt stammende „begleitende Kontrolle“ der Finanz heimischen Großunternehmen und Konzernen einen Schutz vor (Groß-)Betriebsprüfungen.

Als ein freiwilliges Pilotprojekt wurde das „Horizontal Monitoring“ mit einigen Großunternehmen des Landes schon vor ein paar Jahren als eine Art Testballon gestartet. Nun sieht das Jahressteuergesetz 2018 unter dem Begriff „begleitende Kontrolle des Finanzamt“ eine genaue gesetzliche Regelung, Grundlage und Umsetzung im Rahmen der BAO vor.

Wer kann das Projekt beantragen?

Im Prinzip sind alle großen inländische Unternehmen bzw. Privatstiftungen antragsberechtigt, die

  • Bücher verpflichtend oder freiwillig führen,
  • in den beiden Wirtschaftsjahren vor der Antragstellung jeweils mehr als EUR 40 Mio. Umsatz gemacht haben, und
  • seit mindestens fünf Jahren finanzstrafrechtlich eine weiße Weste haben.

Außerdem müssen Antragsteller mittels eines Gutachtens eines Steuerberaters/ Wirtschaftsprüfers nachweisen, ein entsprechendes Steuerkontrollsystem eingerichtet zu haben.  Dieses System muss die richtige Ausweisung von Besteuerungsgrundlagen und die korrekte und pünktliche Bezahlung von fälligen Steuern sicher stellen.

Wo liegt der Vorteil?

Nun, die „begleitende Kontrolle“ ist eine Alternative zur Betriebsprüfung. Unternehmensgruppen und Konzerne haben so die Möglichkeit, einheitlich geprüft zu werden und auf einheitlich Antworten auf alle Steuerfragen zu erhalten. Deshalb können nicht nur einzelne Unternehmen sondern auch ein einzelner „Kontrollverbund“ aus mehreren zusammengehörigen Unternehmen diese Variante beantragen. Jedoch muss im letztgenannten Fall mindestens eine der Firmen eines derartigen Verbundes die Umsatzgrenze von EUR 40 Mio. überschreiten. Sonst ist  Horizontal Monitoring nämlich gar nicht möglich! Nachsatz: Dieser Mindestumsatz gilt nicht für Kreditinstitute und Versicherungen und bei  körperschaftsteuerlichen Unternehmensgruppen muss der Antrag auch für sämtliche Gruppenmitglieder gestellt werden.

Was passiert nach Antragstellung?

Erfüllt ein Unternehmen oder eine Unternehmensgruppe die Voraussetzungen, schreitet das zuständige Finanzamt zur Tat. Zunächst wird eine Außenprüfung der letzten, ungeprüften Jahre vor der Antragstellung durchgeführt. Ebenso wie eine Kontrolle von „Zuverlässigkeitsbeweisen“ a la  „Einhaltung aller Fristen“ , „Erfüllung der Offenlegungspflichten“, Vorhandensein von „Stundungsansuchen“, etc.

Sobald dann ein Unternehmen in die „begleitende Kontrolle“ wechselt, kommt aber auch eine erweiterte Offenlegungspflicht zum tragen. Sachverhalte mit Chance auf abweichender Beurteilung durch das Finanzamt sind nämlich durch das Unternehmen bereits vor Einreichung der Abgabenerklärung offenzulegen. Ist die „begleitende Kontrolle“ dann aktiviert, müssen zumindest viermal im Kalenderjahr Treffen zwischen den Unternehmensvertretern und den Beamten des zuständigen Finanzamtes durchgeführt werden. Sie dienen dazu, bei Bedarf offene abgabenrechtliche Fragen, bzw. Entwicklungen im Unternehmen, Entwürfe von Abgabenerklärungen und dergleichen mehr zu besprechen. Die Finanz muss dabei der Firma Auskunft zu wichtigen steuerlichen Sachverhalten erteilen.

Hinweis: Die „begleitende Kontrolle“ wird übrigens durch Großbetriebsprüfer durchgeführt. Diese können im Zuge der „Begleitung“ alle Amtshandlungen setzen, die auch bei einer Außenprüfung denkbar wären.

PS: Individuelle Auskünfte zur „begleitenden Kontrolle“ und zum nötigen Aufbau eines Steuerkontrollsystems, sowie alle Details erhalten und erfahren Sie gerne bei uns.