Konjunkturstärkungsgesetz: Das ändert sich für Unternehmen

Ein Überblick über die Änderungen und Neuerungen im Rahmen des neuen, am 7. Juni 2020 beschlossenen steuerlichen Maßnahmenspakets namens Konjunkturstärkungsgesetz 2020 (KonStG 2020) für Unternehmen:

Einkommensteuer

Degressive Absetzung für Abnutzung (AfA)
Neben der bestehenden linearen AfA wurde eine degressive AfA als Zusatz bzw. Alternative eingeführt. Diese degressive Abschreibung hat zu einem unveränderlichen Prozentsatz von höchstens 30 % vom jeweiligen (Rest-)Buchwert zu erfolgen und kann für Wirtschaftsgüter in Anspruch genommen werden, die nach dem 30. Juni 2020 angeschafft oder hergestellt werden. Der Prozentsatz ist dabei frei wählbar. Ebenso wie bei einer linearen AfA ist auch für die degressive AfA die Halbjahresabschreibung zu beachten. Ob degressiv oder linear abgeschrieben wird, muss unbedingt im Wirtschaftsjahr, in dem die AfA erstmalig zu berücksichtigen ist, entscheiden werden.

Hinweis: Dabei einem Wechsel zwischen den Verfahren einiges zu beachten ist, stehen wir natürlich für Anfragen zur Verfügung und raten sogar dazu.

Beschleunigte Absetzung für Abnutzung für Gebäude
Für nach 30. Juni 2020 angeschaffte oder hergestellte Gebäude wird eine beschleunigte AfA eingeführt. In dem Wirtschaftsjahr, in dem die AfA erstmalig zu berücksichtigen ist, beträgt die AfA höchstens das Dreifache des jeweiligen AfA-Satzes (d.h. bei betrieblichen Gebäuden 7,5 % und bei Gebäuden im außerbetrieblichen Bereich sowie bei betrieblichen Gebäuden zur Vermietung an Dritte zu Wohnzwecken 4,5 %). im zweiten Jahr gilt dann höchstens das Zweifache (5% bzw 3%). Ab dem dritten Jahr gelten wieder die üblichen Prozentsätze von 2,5 % bzw 1,5 %. Aufgepasst! Die Halbjahresabschreibung kommt nicht zur Anwendung

Verlustrücktrag

Für nicht ausgleichsfähige negative betriebliche Einkünfte des Veranlagungszeitraumes 2020 (bis maximal 5 Mio. Euro!) wird eine Möglichkeit geschaffen, auf Antrag diese Verluste auf die Veranlagung 2019 und unter bestimmten Umständen auf die Veranlagung 2018 rückzutragen und mit den positiven Einkünften dieser Jahre zu verrechnen. Bei abweichendem Wirtschaftsjahr kann wahlweise der Verlust aus der Veranlagung 2020 oder aus der Veranlagung 2021 rückübertragen werden. Dabei sind die Bestimmungen zu Regelwirtschaftsjahren sinngemäß anzuwenden. Eine Verordnung soll zusätzlich regeln, dass bereits vor Abschluss der Veranlagung des Jahres 2020 ein Verlustrücktrag durchgeführt wird, damit die Liquidität rascher gestärkt wird. Der Verlustrücktrag geht dabei dem Verlustvortrag vor.

Körperschaftssteuer
Auch für Körperschaften wird ein befristeter Verlustrücktrag eingeführt. Für Unternehmensgruppen wird aus Vereinfachungsgründen die Geltendmachung auf die Ebene des Gruppenträgers beschränkt. Maßgebliche Größe ist jedoch anstelle eines Gesamtbetrags der Einkünfte das Gruppeneinkommen (vor Berücksichtigung von Sonderausgaben). Höchstbetrag Gruppenträger: 5 Mio. Euro. Für jedes Gruppenmitglied kann ein weiterer Betrag 5 Mio. Euro (sofern die Einkommen im konkreten Veranlagungsjahr dem Gruppenträger zugerechnet wurde) berücksichtigt werden.

Abgabenverfahrensrecht

Gesetzliche Verlängerung von Stundungszeiträumen bis 15. Januar 2021

Stundungen, die nach dem 15. März 2020 bewilligt wurden und deren Stundungsfrist am 30. September 2020 bzw. 1. Oktober 2020 endet, werden automatisch bis 15. Januar 2021 verlängert. Dazu ist keine neuerliche Antragstellung erforderlich. Einbezogen werden auch Abgaben, die bis zum 25. September 2020 auf dem Abgabenkonto verbucht werden (d.h. inkl. ESt- und KöSt-Vorauszahlungen für das 3. und 4. Quartal 2020!).

Rechtlicher Anspruch auf Gewährung einer Ratenbewilligung

Alternativ zur Verlängerung der Stundung kann innerhalb der Stundungsfrist (spätestens bis zum 30. September 2020) eine Ratenzahlung in 12 Monatsraten beantragt werden. Wenn aber eine sofortige Entrichtung des verbleibenden Abgabenbetrages (d.h. letzte Rate) mit erheblichen Härten verbunden wäre, kann die Entrichtung auf Antrag sogar auf weitere 6 angemessene Monatsraten erstreckt werden.

Anhebung der Stundungszinsen ab 15. Januar 2021 (schrittweise!)

Für den Zeitraum von 15. März 2020 bis 15. Januar 2021 sind keine Stundungszinsen festzusetzen. Danach kommt es zu einer stufenweisen Anhebung der Stundungszinsen von 2 % über dem Basiszinssatz für die Zeit vom 16. Januar 2021 bis 28. Februar 2021 . Dies steigt dann alle zwei Monate um jeweils weitere 0,5 %.

Anspruch auf das Absehen von Nebenforderungen

Stundungszinsen für vor dem 15. März 2020 bewilligten Zahlungserleichterungen (entfallend auf den Zeitraum 15. März 2020 bis 15. Januar 202!) sowie Anspruchszinsen betreffend Nachforderungen für den Veranlagungszeitraum 2020 werden nicht vorgeschrieben. Zudem sind keine Säumniszuschläge für alle zwischen dem 15. März 2020 und 31. Oktober 2020 fällige Abgaben zu entrichten.