Groß-Hauptwohnsitze: Bei Verkauf droht ImmoESt

Der Verwaltungsgerichtshof fällte kürzlich ein Paradeurteil, das Auswirkungen auf die Besteuerung von Immobilienverkäufen haben kann …

Die Ausgangslage schien bis vor kurzem rechtlich eigentlich klar zu sein: Der Verkauf eines Hauptwohnsitzes (z.B. Eigenheim, Eigentumswohnung, etc.) ist generell von der Immobilienertragsteuer befreit. Generell? Nicht ganz! Denn nach der Praxis der Finanzverwaltung erfasst eine solche Steuerbefreiung bei einem Verkauf eines Hauses sowohl das Gebäude als auch z.B. die umgebende Grundstücksfläche von nur bis zu 1000 m2.

An den VwGH gelangte nämlich aktuell ein Fall, bei dem der Steuerpflichtige sein Wohnhaus mitsamt einer Grundstücksfläche von ca. 3.700 m2 verkaufte. Das Bundesfinanzgericht entschied im Rechtsstreit klassisch eine Steuerbefreiung der gesamten Grundstücksfläche. Doch das Finanzamt legte dagegen Revision ein und rief den Verwaltungsgerichtshof an.

Dieser fällte folgendes erstaunliche Urteil: „Bei einem bebauten Grundstück bildet das Gebäude mit dem Grund und Boden ein einheitliches Wirtschaftsgut. Zu diesem einheitlichen Wirtschaftsgut gehört aber nur jene Grundstücksfläche, die nach der Verkehrsauffassung mit dem Gebäude eine Einheit bildet.“

Für die Größe einer Grundstücksfläche stellt der VwGH auf jenes Ausmaß ab, das nach der so genannten „Verkehrsauffassung“ üblicherweise als Bauplatz nötig ist. Da das im Streitfall bezifferte Grundstück aber diese fixierte Größe klar überschreite, falle der Verkauf unter die ImmoEst.

Fazit: Soweit also eine verkaufte Grundstücksfläche die Größe eines für ein Eigenheim üblichen Bauplatzes übersteigt, ist der Verkauf plötzlich steuerpflichtig!