Gewinnausschüttung oder Einlagenrückzahlung – das ist die Frage

Zur Klärung, ob es sich um eine Einlagenrückzahlung oder eine Gewinnausschüttung handelt, hat das Finanzministerium einen neuen Einlagen- und Innenfinanzierungserlass veröffentlicht.

Es besteht ein eingeschränktes Wahlrecht, ob Auszahlungen aus Kapitalgesellschaften in Form von einer steuerpflichtigen Gewinnausschüttung oder steuerfreien Einlagenrückzahlung erfolgen sollen. Welche der beiden Varianten geeigneter ist, ist jedoch eine höchst individuelle Frage und hängt vom jeweiligen Empfänger ab. Soweit sie Einlagen in ihre Kapitalgesellschaft geleistet haben bevorzugen natürliche Personen steuerfreie Einlagenrückzahlungen (Gewinnausschüttungen würden ja einer KESt in Höhe von 27,5 % unterliegen!).

Bei Mutter-Kapitalgesellschaften als Empfänger, drängt sich die Gewinnausschüttung auf, da ein steuerfreier Beteiligungsertrag vorliegt. Bei einer Einlagenrückzahlung käme es nämlich zu einer Reduktion des Beteiligungsbuchwertes bei der Muttergesellschaft (ein Umstand, der bei einer Veräußerung des Gesellschaftsanteils zu einem erhöhten steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn führt).

Um konkret festzustellen, ob eine Einlagenrückzahlung oder eine Gewinnausschüttung vorliegt, hat das Finanzministerium einen Einlagen- und Innenfinanzierungserlass veröffentlicht. Durch diesen neuen Erlass ist davon auszugehen, dass aus steuerlicher Sicht eine Gewinnausschüttung nur dann vorliegt, wenn Gewinne tatsächlich vom Unternehmen erwirtschaftet (Jahresüberschuss) wurden und ein Bilanzgewinn vorliegt (Innenfinanzierung).

Eine Einlagenrückzahlung liegt hingegen dann vor, wenn Gewinne ausbezahlt werden, die (ursprünglich) aus Kapital stammen, das von Gesellschaftern eingezahlt wurde (Außenfinanzierung).

Müssen Steuererklärungen für 2016 ergänzt werden?
Wenn ein unternehmensrechtlich ausgeschütteter Bilanzgewinn in Punkto Außenfinanzierung und Innenfinanzierung Deckung findet, besteht bei (ab dem 1. Januar 2016 beschlossenen!) Ausschüttungen ein Wahlrecht, ausgeschüttete Bilanzgewinne steuerlich als Einlagenrückzahlung oder als Gewinnausschüttung auszuweisen. Ausgeübt wird dieses Wahlrecht von für die Willensbildung der Körperschaft verantwortlichen Organen. Dies muss in der KESt-Anmeldung auch dokumentiert werden.
Der aktuelle Erlass hat somit zur Folge, dass allenfalls bereits fertige Steuererklärungen für das Jahr 2016 zu ergänzen sind, da den Erklärungen die Einlagen- und Innenfinanzierungevidenzkonten (Achtung – diese sind entsprechend des Erlasses zu überarbeiten!) beigelegt werden müssen.

Zögern Sie also nicht, uns zu kontaktieren, damit wir bei allfälligen Ergänzungen behilflich sein können.