Das ist die neue ökosoziale Steuerreform

Das ist die neue ökosoziale Steuerreform

Gestern im Ministerrat fix beschlossen, steht die nächste schrittweise Steuerreform in finaler Version vor der parlamentarischen Verabschiedung. Hier alle geplanten Maßnahmen im Überblick:

Als „großer Wurf“ und „massive Entlastung“ verkauft, ist die neue „ökosoziale Steuerreform jedoch nur ein Tool, das – ohne konkreten Einsparungen zur Gegenfinanzierung – nahezu ausschließlich Abgaben verringert und sich über die „kalte Progression“ (die entgegen den Wahlversprechen erneut nichtabgeschafft wurde!) finanzieren soll. Lediglich Investoren in Kryptowährungen werden zur Kasse gebeten und die als ökologisch gepriesene CO2-Bepreisung wird gleich wieder in regionale Klimabonuszahlungen zurückgerechnet. Gleichzeitig setzt man auf Seiten der Regierung surreal auf zusätzliches wirtschaftliches und unternehmerisches Wachstum für Entlastungen und Abbau der Staatsverschuldung. Aber was soll’s? Der Steuerzahler ist ja seit langem Kummer gewöhnt.

Die Tarifsenkungen per se

Bei der  Lohn- und Einkommensteuer sinken die zweite und dritte Tarifstufe der Lohn- und Einkommensteuer. Dabei fällt per 1. Januar 2022 die zweite Tarifstufe von 35 % auf 32,5 %. Erst per 1. Januar 2023 soll dann auch bei Stufe drei eine Senkung von 42% auf 41% erfolgen.

Bei der Körperschaftssteuer kommt es erst per 1. Januar 2023 zur Senkung auf 24% und ab 1. Januar 2024 auf 23%.

Die Kapitalertragsteuer für Kapitalerträge sowie die Immobilienertragsteuer von Kapitalgesellschaften verringern sich analog, und zwar von derzeit 25 % auf 24 % bzw. 23 %.

Anhebung des Familienbonus

Der Familienbonus Plus steigt per 1. Juli 2022 von EUR 1.500,– auf rund EUR 2.000,–pro Kind bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Der jährliche Familienbonus für Kinder ab 18 Jahren wird nach dem gleichen Prinzip auf rund EUR 650,– angehoben. Für Niedrigverdiener will die Regierung den Kindermehrbetrag stufenweise pro Kind und Jahr auf EUR 350,– (im Jahr 2022) bzw. EUR 450,– (ab 1. Januar 2023) erhöhen.

Gewinnbeteiligung für Arbeitnehmer steuerfrei

Ab 1. Januar  2022 können Unternehmen ihren aktiven Arbeitnehmern bis zu EUR 3.000,– jährlich an Gewinnbeteiligungen einkommensteuerfrei auszahlen. (Achtung! Es darf aber nicht mehr an Beteiligungen ausgezahlt werden als im Vorjahr an steuerlich maßgeblichem Gewinn gemacht wurde. Zudem bleibt die Steuerfreiheit nur, wenn entweder alle Arbeitnehmer oder zumindest eine bestimmte Arbeitnehmergruppe beteiligt werden und sie darf auch nicht anstelle bisher gezahlten Arbeitslohns, einer SEG-Zulage oder anstelle einer üblichen Lohnerhöhung erfolgen).

Zu beachten ist dabei, dass nur der konkrete Arbeitgeber (nicht aber eine andere Konzerngesellschaft) die Gewinnbeteiligung gewähren kann. Zudem stellt sich die Frage nach der Deckelung mit dem steuerlich (!) maßgeblichen Gewinn in Hinblick auf körperschaftsteuerliche Unternehmensgruppen und Personengesellschaften. Eine Befreiung von Lohnnebenkosten und Sozialversicherungsbeiträgen plant die Regierung nämlich derzeit nicht.

Höherer Gewinnfreibetrag

Ab 1. Januar 2022 steigt der Gewinnfreibetrag für die ersten EUR 30.000,– der Bemessungsgrundlage von 13 % auf 15 %. Der investitionsunabhängige Grundfreibetrag macht also künftig EUR 4.500,– aus (sprich eine Erhöhung um EUR 600,–).

Investitionsfreibetrag ab 2023

Der gute alte  Investitionsfreibetrag (IFB) , der bis 2001 existierte, wird reaktiviert um (ökologische) Investitionen auszulösen:

Wer ungebrauchte Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens anschafft, kann zusätzlich zur Abschreibung 10 % der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten als fiktive steuerliche Betriebsausgabe geltend machen. Für Öko-Investments beträgt dieser Freibetrag dann sogar 15 %. Vom neuen IBF betroffen sind Wirtschaftsgüter, die nach dem 31. Dezember 2022 beschafft werden.

2023 steigt die GWG-Grenze  auf EUR 1.000,–

Die Obergrenze für die sofortige Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) wird voraussichtlich ab 1. Januar 2023 bei EUR 1.000,– (statt bislang EUR 800,-) liegen.

NEU: Sonderausgaben bei thermischer Gebäudesanierung

Sind im Privatbereich thermische Sanierungen von Gebäuden oder ein Ersatz von fossilen durch klimafreundliche Heizsysteme geplant? Gut, denn ab 2022 sind diese Aufwendungen als „Sonderausgaben“ abzugsfähig. Die Ausgaben sind generell über fünf Jahre verteilt absetzbar. Und zwar im Ausmaß von jährlich EUR 800,– für die thermische Sanierung bzw. EUR 400,– für den Heizkesseltausch. Dabei müssen jedoch diese Vorgaben erfüllt werden:

Es muss eine Bundesförderung nach dem Umweltförderungsgesetz (UFG) geflossen und die Förderdaten in der  Transparenzdatenbank auffindbar sein. Die Ausgaben müssen abzüglich aller (auch von Länder und Gemeinden) ausbezahlten öffentlichen Förderungen bei der thermischen Sanierung über EUR 4.000,– (bzw. bei Heizkesseltausch über EUR 2.000,–) liegen.

Hinweis:  Es sind nur Ausgaben, für die der Bund nach dem 30. Juni 2022 eine UFG-Förderung ausbezahlt hat (und sofern das zugrundeliegende Förderungsansuchen nach dem 31. März 2022 eingebracht wurde) begünstigt. Eine Einnahmen-Obergrenze gilt in diesem Fall nicht.

Einkommensteuerfreier Klimabonus

Die Energiepreise werden durch staatliche Bepreisung steigen. Um diese Mehrkosten pauschal abzugelten, gibt es ab 1. Januar 2022 eien „regionalen Klimabonus“. Dieser beträgt – je nach Infrastruktur bzw. öffentlicher Verkehrsanbindung per anno  – zwischen EUR 100,– und EUR 200,– pro Kopf. Der Bonus ist einkommensteuerbefreit.

Niedrigere Krankenversicherungsbeiträge

Es kommt ein höherer Sozialversicherungsbonus anstelle der urspünglich geplanten Senkung der Krankenversicherungsbeiträge. Die Erhöhung beträgt  wird es einen höheren Sozialversicherungsbonus geben, der von bisher maximal EUR 650,- pro Jahr (bislang EUR 400,-).

Für Pensionisten wird der Pensionistenabsetzbetrag angehoben.